Geschichte (II)

im keller deines verstandes
im weinkeller im endlosen
fragst du dich, wo der ausgang aus diesem
irrsinn

ist

und der kellner in sträflingsklamotten
fragt dich
wo du deine platzmarke hast
doch du weißt es nicht
du weißt nicht
wo du sitzen solltest
bestenfalls vielleicht zwischen kevin und friedrich
vielleicht aber auch nicht

freundschaft, genossen
haha

du torkelst von idiocabernet besoffen
ins koma deiner freiheit
vielleicht solltest du noch ein bißchen
mit marx gedankenvögeln
damit du nicht demnächst im gulag
am strick hängst
wie ein nazischwein
oder die judenschweine
die das großkapital
einfach für sich behalten
und nicht in grünen weltuntergangselegien
verschwelgen

wie die die sagen,
daß islamien und der kommunismus
die welt retten werden
aber ich kann das nicht zusammen denken
und mit hirnknoten erinnere ich mich,
daß der hallesche kreis sagte,
daß solche ausdrücke nicht
in gedichte gehören

aber was haben linke
schon für eine ahnung
von notwendiger lyrik

Geschichte (I)

in der nacht in der dir die sterne aus den augen fielen
und meine dunkelheit so finster wurde wie die antimaterie
zwischen uns und denen

in diesen stunden in denen die erkenntnis für jeden von uns stärker wog
als jede gemeinsame stunde oder gewißheit

in der nacht, als die sekunden begannen rückwärts zu zeigen
in die geschichte die unvergessen wie hyänen
im schlagschatten des blitzlichtgewitters lag

in jener nacht in der mir das glas wein zu schwer wurde vor kummer
und du so weit weg und ich so verloren
einander so nah waren wie zwei sich verschlingende galaxien

in dieser nacht stand der mond weit im süden

memor libertatis (2.8.19)

(in erinnerung an die freiheit)

in der trommelnden nacht
in der du das haus fandest
in dem deine heimat
in bilderrahmen verstaut war

und deine stimme im nebel
der zigaretten versank
die eilig geraucht wurden
weil die glut zu viel zeigte

und die düsternis zerschnitt
die zwischen dir und jenen
stand die dir nicht gleich waren
und auf der barke der einfalt heuerten

wenn du vielleicht nur einmal
das tau knoten könntest
wäre man bereit die segel zu setzen
doch deine hände sind blutig

vom rosen auf gräber werfen

stehe und gedenke der unschuld
die gebrochen in den gleisen von kandelwald schläft

woher der sturm kommt in dieser nacht
oder in jener sagen die matrosen nicht
die das meer kennen
denn zwischen back und bilge

steht freund hein und lächelt sachte
in den wind der von möwen und hyänen
am ufer zwischen ebbe und flut
ausgespuckt wird

dort mischt sich der geruch von aas
das vergessen auf den felsen verwest
und jede stunde in der du
in deiner kajüte nach dem sonnenaufgang suchst

versinkst du tiefer in der nacht
während du von zwieback und dosenfleisch
vergiftet dem unvermeidlichen entgegen segelst

ursachen

in eine einzige einfache frage webst du den anfang des kosmos und sein ende

was ist dabei noch geringer

die fehlende gewissheit oder die bohrende suche nach der ursache

irgendwann spielt deine ursache vielleicht keine rolle mehr

und du siehst, dass dein bestehen nur davon abhängt

ob du deiner hoffnung gewachsen bist oder nicht

Trappist-1

während ich mir einbilde
dass die stundengläser still stehen
treibt das große mutterschiff
mit nicht mal annähernder lichtgeschwindigkeit in den
blau leuchtenden nebel

wo wir sind ist nichts
außer licht und hitze und plasma
in unserm sonnenkreuzer sind die tage
nur noch erinnerung
wir leben und leben und leben
wie ewige eremiten
oder zarathustra

im nahen anblick der protuberanzen des roten zwerges
erkennen wir häuser und straßen
und heimat
die sonnengeister gröllen und jubeln
hoffen auf nahrhafte speise
wir sind verloren in relativität
und gravitation und der möglichkeit einer insel außerhalb

ich wünschte ich könnte um dich kreisen
um deine masse, deinen schwerpunkt und deine liebe,
doch du bist 300 jahre weit vergessen